Schwarzbuch Diskriminierung

Berlin, 10.01.2006
300 Dieselloks stehen nutzlos rum

„Dieselloks verrotten auf Abstellgleisen”

Der Steuerzahlerbund fordert die Bahn zum Verkauf hunderter Fahrzeuge auf.

Lässt die Deutsche Bahn funktionstüchtige Dieselloks auf Abstellgleisen verkommen? Verzichtet sie auf Verkaufserlöse für überzählige Fahrzeuge, um nicht der privaten Konkurrenz in die Hände zu arbeiten? Hinweise darauf hat der Bund der Steuerzahler von Bahnmitarbeitern erhalten. „Es geht um öffentliches Vermögen, mit dem man verantwortungsvoll umgehen sollte”, sagte Landesgeschäftsführer Bernhard Zentgraf am Dienstag. Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns in Hannover bestreitet die Vorwürfe, kann sie aber nicht ganz entkräften. „Wir sind ein Großbetrieb, die Loks werden alle gewartet und irgendwann eingesetzt”, meint er. „Es kann nicht das ganze rollende Material gleichzeitig rollen.” Andererseits: „Wir brauchen heute grundsätzlich weniger Dieselloks.”

Da zunehmend Strecken elektrifiziert oder aber von privaten Bahngesellschaften übernommen wurden, ist die Bahn auf ihre robusten Dieselloks der Baureihe 218 immer weniger angewiesen. „Von den bundesweit fast 400 dieses Typs werden langfristig maximal 100 gebraucht”, erfuhr Zentgraf. Nun stünden etliche Loks dauerhaft ohne Zukunft auf Abstellgleisen, obwohl sie teilweise erst vor kurzem überholt und neu lackiert worden seien: zeitweise 23 beim Ausbesserungswerk Bremen-Seebaldsbrück, etwa zehn bei Hannover, vier beim Betriebswerk in Braunschweig.

„Die Lebensdauer einer Lok vom Typ 218 wird mit 50 Jahren angegeben”, hat der Bund der Steuerzahler Mitte Dezember der Bahn in Berlin geschrieben. Viele der ausrangierten Loks seien aber erst vor 20 bis 30 Jahren hergestellt worden. Wenn sie aus Konkurrenzangst nicht an andere Betreiber in der Europäischen Union verkauft werden sollten, dann wenigstens an den einzigen Anteilseigner, den Bund. Dieser könnte die Loks dann Balkanländern anstelle von Geld als Wirtschaftshilfe zukommen lassen. „Der Deutschen Bahn AG könnten Erlöse zufließen, um Schulden zu tilgen”, meint die Steuerzahler-Lobby. Eine Antwort der Bahnzentrale steht aus.

„Das Problem ist auch von früheren Interregio-Wagen bekannt”, sagt Ulrich Grunert vom Fahrgastverband Pro Bahn. „Die Bahn verschrottet die Fahrzeuge lieber, als sie zu verkaufen.” Im Sinne der Bahnfahrer sei dies nicht, meint der stellvertretende Landesvorsitzende. Während die DB nur an den eigenen Profit denke und sich auf den Börsengang vorbereite, gehe es den Fahrgästen darum, „dass so viel Bahn fährt wie möglich”. Die Chancen auf preiswerte Verbindungen stiegen, wenn private Bahngesellschaften gebrauchte Dieselloks günstig erwerben könnten.

Interessenten gäbe es – trotz der hohen Ökosteuer, die für die Rußerzeuger zu entrichten ist. „Wir brauchen Dieselloks, um in die Häfen reinzukommen”, erläutert Harald Uhle, Eisenbahn-Betriebsleiter bei der privaten EVB-Verkehrsgesellschaft in Bremervörde. Der Bahnbetreiber zwischen Weser und Elbe, der auf der Schiene außer Gütern jährlich eine Million Fahrgäste befördert, setzt eine vergleichbare Lok ein und hatte einmal eine „218” geliehen. „Wir waren zufrieden”, sagt Uhle. „Zu marktfähigen Preisen haben wir an so etwas durchaus Interesse.” Keineswegs kaufe die EVB nur fabrikneue Loks, und die Dieselloks seien auch auf elektrifizierten Strecken gut einzusetzen.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministers verweist auf Nachfrage an die Bahn: „Die wissen am besten, wofür die was brauchen.”

Gabriele Schulte

Quelle: Hannoversche Allgemeine vom 10.01.2006

----------------------------------------------------------------------------------------

Deutsche Bahn lässt 300 Dieselloks ungenutzt

Hannover/Bremen. Dieselloks der Bahn aus der Baureihe 218 haben das Interesse des Bundes der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen geweckt. Nach Berichten „aus Kreisen der Bevölkerung“ sollen zahlreiche Loks dieses Typs unter anderem in Hannover und Bremen ungenutzt „herumstehen“, schrieb die Organisation jetzt an die Deutsche Bahn AG in Berlin. Sie bat um Auskunft, welche Pläne der Bahn-Vorstand mit den überzähligen Loks verfolge.

Denkbar wäre ein Verkauf an private Bahnunternehmen im Inland oder staatliche Bahnunternehmen im Ausland, schrieb der Bund der Steuerzahler. „Wie uns berichtet wird, soll die Bahn AG den Vorschlägen zur Veräußerung der Loks innerhalb Europas reserviert gegenüber stehen“, heißt es in dem Schreiben. Sie befürchte offenbar, dass ausländische Bahngesellschaften bei der Ausschreibung von Strecken mit ehemaligen Bahn-Loks zu ernsthaften Konkurrenten werden könnten.

Nach Informationen des Bundes der Steuerzahler besitzt die Deutsche Bahn AG rund 400 Lokomotiven des Typs 218, die als sehr robust und wenig wartungsanfällig gälten. Langfristig würden maximal 100 davon gebraucht. Die Lebensdauer der Loks werde mit 50 Jahren angegeben. Viele der ausrangierten Lokomotiven seien aber erst 20 bis 30 Jahre alt. (dpa)

Quelle: Verkehrsrundschau vom 10.01.2006


Drucken Druckansicht

<< Zurück

Weitere Infos gewünscht? Melden Sie sich für den regelmäßigen Newsletter an: