PRESSE

Berlin, 11.03.2004
Börsengang diskriminiert DB-Wettbewerber und ignoriert Marktgesetze

Der Börsengang der immer noch marktbeherrschenden Deutschen Bahn bedroht die Lebensfähigkeit des Systems Schiene in Deutschland: Denn Innovationen durch Wettbewerb sind nach dem Börsengang der DB mit Netz kaum noch zu erwarten.

Gestattet der Staat der DB, mit ihrem Schienennetz an die Börse zu gehen, diskriminiert er damit auf Dauer alle heutigen und alle potentiellen Wettbewerber der DB. Die DB ist dann wie heute bei allen Fragen des Netzzugangs Spieler und Schiedsrichter zugleich, die Wettbewerber bleiben, von Nischen abgesehen, chancenlos. Jede Regulierung ist gegenüber einem solchen Moloch hoffnungslos überfordert, das Diskriminierungspotential nicht beherrschbar. Deshalb haben wir bis heute, nach 10 Jahren Bahnreform, praktisch keinen Wettbewerb bei Fernzügen im Personenverkehr; die Konkurrenz im Güterverkehr verharrt in einer 6-Prozent-Nische und kämpft dort um ihr Überleben.

Selbst im Nahverkehr, bei dem die Länder mit Ausschreibungen das Heft in der Hand hätten, bleiben die Wettbewerber – heute mit einem Marktanteil von rund fünf Prozent – chancenlos: Wo Länder oder Zweckverbände engagiert für die Einführung von Wettbewerb gesorgt haben wie in Schleswig-Holstein, sehen sie sich Sanktionen der DB beim Ausbau ihrer Bahnstrecken und Bahnhöfe gegenüber. Dieser Missstand würde ebenfalls durch einen Börsengang der DB mit der Infrastruktur zementiert – ein „Knock-out“ für den Wettbewerb auf der Schiene!

Selbst die Leistungsfähigkeit der DB würde trotz Bevorzugung beim Börsengang weiter sinken: Denn ohne funktionierenden Wettbewerb fehlt der Druck des Marktes, ständig an Verbesserungen zu arbeiten. Die Investmentbank Morgan Stanley hat offensichtlich übersehen, dass Marktgesetze auch auf der Schiene gelten.


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